Kunstcampus Berlin

In seiner Grundstruktur ist das Umfeld des Hamburger Bahnhofs eher eine Passage als ein Platz. Es besteht aus einer fließenden Abfolge von Freiräumen, die von den fluchtenden Raumgrundrissen der ehemaligen Bahnnutzung geprägt sind. Im Gegensatz zu dieser typologischen Unschärfe verfügt das Areal durch die prägnante Raumfigur und durch einzelne markante Architekturansichten über einen ausgeprägten Ortscharakter.
Das Konzept zielt auf eine Differenzierung des Kunstcampus von den übrigen neuentstehenden Freiräumen der Europacity, bei denen es sich meist um übersichtliche, orthogonale Platzflächen handelt. Zugleich geht es um die Andersartigkeit zu den stark frequentierten Infrastrukturen der Invalidenstraße und der Heidestraße. Das Campusareal wird hier als Raum aufgefasst, der Verlangsamung zulässt und das Potential eines Rückzugsraumes für Anwohner und Touristen bietet.
Aus dieser Raumwahrnehmung zielt das Konzept auf eine körperhafte Gestaltung dieses polymorphen und von heterogenen Architekturen gerahmten Freiraumes, um ihn als Platz einzurichten. Dazu wird dessen Zentrum durch ein urbanes Boskett definiert. Ausformuliert wird dieses als Hain aus ein- und mehrstämmigen Papier-Birken, in den vereinzelt Scharlach-Eichen eingestreut sind. Mit diesem Element wird ein Vegetationskörper in das Stadtquartier gesetzt, der als Kontrapunkt zu dem in Konversion befindlichen Stadtquartier tragfähig ist. Seine klar umrissene Kubatur stiftet im Kontext der Freiräume des Europaviertels eine eindeutige Adresse. Seine Struktur ist wiedererkennbar und schafft einen übergeordneten Zusammenhang im Raum. Mit dem Hain wird ein prägnantes Bild formuliert, das sich als atmosphärischer Wert im Stadtraum verfestigt.
Das Wäldchen ist so raumbestimmend konzipiert, dass es sowohl als assoziativer Link wie als poetisches Initial funktioniert. Seine Konturen definieren eine durchlässige Grenze, die einen Möglichkeitsraum zum klimatisierten Ausruhen, zum Wahrnehmen anderer atmosphärischer Qualitäten oder für Veranstaltungen schafft.
Die Stellung der Birken und Eichen interagiert mit der gestreckten Raumfigur. Sie nimmt damit Bezug auf die Bahnnutzung, die an deren Richtungsvorgabe noch zu erkennen ist, und ebenso auf die Nordfassade des Hamburger Bahnhofs.
Das Boskett wird als ein tradiertes gartenkünstlerisches Motiv aufgegriffen, mit dem körperhafte Vegetationselemente zu einer ornamentalen Struktur verbunden werden. Dieses Motiv verfügt über einen spezifischen Formenkanon und steht für eine signifikante kleinklimatische Situation und einen entsprechenden Lichtcharakter. Gestalterisch steht es für den Kontrast zwischen formaler Strenge und Offenheit, durch den eine kultivierte Wildheit evoziert wird.

Gutachterverfahren, 2014
1. Preis
Auftraggeber: CA Immo Deutschland GmbH
Größe: 22.000 qm