drunken piers
igs Hamburg, 2013

Mit dem Schiff von Yokohama erreichen der englische Gentleman Phileas Fogg und sein Diener Passepartout den Hafen von San Francisco, um auf ihrer Reise um die Welt in großer Eile den amerikanischen Kontinent mit der Eisenbahn zu durchqueren. Übermütig springt der akrobatisch veranlagte Diener Passepartout mit einem Salto auf den hölzernen Anlegesteg, der unter diesem impulsiven Andrang splitternd zerbricht. Die von Jules Vernes in seinem Roman 1873 beschriebene Hafensituation findet ihre Entsprechung in der um 1900 entstandenen Fisherman's Wharf, die sich seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem Touristengebiet entwickelte und heute zu einer der Hauptattraktionen in San Francisco gehört. Der moderne Hafen mit seinem Containerumschlag hat sich längst auf die andere Seite der San Francisco Bay nach Oakland verlagert. Unbeeindruckt von dieser Tatsache erwarten die Besucher der Stadt weiterhin im historischen Ensemble von Fisherman's Wharft authentische Hafenatmosphäre und den Duft der großen weiten Welt.

Dieser Hafensehnsucht wird im Garten Drunken Piers auf spielerische Weise entsprochen. Parallel geführte Holzstege fügen sich zu einem großen Sonnendeck. Die Oberfläche der Holzstege ist wellenförmig geschwungen, ein traditionelles Seemannsmotiv ist in das Holz als Tätowierung eingebrannt. Der feste Grund unter den Füßen wird entzogen, schwankenden Schrittes wird die Laszivität dieser Hafensituation spürbar. Auf der Suche nach Gleichgewicht werden Bewegungen ausgelöst voller Trunkenheit und Lebenslust. Zwischen den schwankenden Stegen entstehen Höhensprünge, die vielseitige Aufenthalts- und Aneignungsmöglichkeiten zulassen. Angeschmiegt an die warme Haut des Holzdecks lässt es sich träumen und die Gedanken rauschen davon in die große weite Welt.

Bauherr: internationale gartenschau hamburg GmbH
Größe: 500 qm