Oase der Langsamkeit im Großstadttrubel

Die Realisierung der Europacity schreitet voran: Wettbewerb für Freiflächengestaltung beendet

Im direkten Anschluss an den Berliner Hauptbahnhof erstreckt sich das rund 40 Hektar große Projektgebiet für das neue Stadtquartier Europacity. Kultureller Mittelpunkt des Quartiers ist bereits heute der Hambuger Bahnhof mit dem Museum für Gegenwart und dem angrenzenden - von der Immobiliengesellschaft CA Immo initiierten - Kunst-Campus. Für das Umfeld des Hamburger Bahnhofs wurde am Donnerstag der Wettbewerb für die Freiflächengestaltung abgeschlossen. Die Flächen befinden sich im Eigentum der CA Immo sowie weiterer Investoren, die hier rund um den zentralen Platz Büro- und Wohngebäude realisieren. Der Siegerentwurf des Büros relais Landschaftsarchitekten (Berlin) sieht einen zentralen, lichten Baumhain vor. „Die Verfasser wünschen sich den Raum als Ort der bewussten Verlangsamung“, zitiert die Jury aus den eingereichten Unterlagen. Der Platz soll nach einer Mitteilung von CA Immo öffentlich zugänglich sein.
Das Unternehmen will rund drei Millionen Euro in die Flächengestaltung investieren. Das rund 17 000 Quadratmeter große Plangebiet umfasst eine längliche Platzfläche nördlich des Hamburger Bahnhofs sowie Flächen zur Anbindung des Areals an die öffentlichen Verkehrsflächen. Als verbindendes Element zwischen dem Museum für Gegenwart, der an den Platz angrenzenden neuen Bebauung und den sich anschließenden öffentlichen Räumen soll ein „attraktiver Platz mit gesamtstädtischer Ausstrahlung“ entstehen, wie es in der Mitteilung heißt.
Weitere Teilnehmer des als Gutachterverfahren durchgeführten Wettbewerbs waren: Breimann & Bruun (Hamburg), Lützow 7 (Berlin), Man Made Land (Berlin), sinai Landschaftsarchitekten (Berlin), ST raum a. Landschaftsarchitekten (Berlin), Vogt Landschaftsarchitekten (Zürich) sowie Weidinger Landschaftsarchitekten (Berlin). Die Jury entschied einstimmig für relais Landschaftsarchitekten.
In der Urteilsbegründung der Jury unter dem Vorsitz von Markus Neppl (Universität Karlsruhe) heißt es: „Die gewählten Birken und Eichen erinnern an die Geschichte ruderaler Gleisvegetation und schaffen gleichzeitig durch die Verwendung besonderer Sorten und durch die Dichte eine eigene Atmosphäre. Der Hain sucht räumlich die Verbindung mit dem Baumbestand am Hamburger Bahnhof. Der Wiesengrund des Bosketts wird gefasst von Steinen unterschiedlicher Breite, die Wiese wird schräg leicht abgesenkt, sodass der Blick über den Platz durch die hellen Baumstämme immer offen und durchlässig bleibt.“ Einen Wunsch hat die Jury allerdings, wenn es an die Umsetzung geht: „Der Zugang von der Heidestraße, ein erhöhtes Beet auf Tiefgarage mit Doppelbaumreihe erscheint sehr schematisch und soll weiter qualifiziert werden. Anfahrschutz und Aufenthaltsqualität fehlen.“ Anlehnen wollen sich die Architekten an die Gestaltung von Barockgärten.
Boskette gehörten zum schematischen Aufbau fast aller Barockgärten. Sie sind „Lustwäldchen“ innerhalb eines geometrisch gestalteten Schlossgartens. Sie sind von „geraden“ Achsen durchzogen und von hohen Hecken gesäumt. Das Boskett des Siegerentwurfes besteht aus verschiedenen Kabinetten, liegt zentral im umgebenden Platzraum, für den das alte Pflaster verwendet wird, um die Gebäude herum mit geschliffener Oberfläche, zur Mitte hin rau. Markus Diekow, Pressesprecher von CA Immo Deutschland, freut sich über den ausgezeichneten Entwurf: „Das ist ein Kontrapunkt zur Gebäudekubatur - der Mensch wird in seiner Naturhaftigkeit thematisiert und verliert sich in seiner Dimension nicht vor der Architektur.
Wettbewerb Kunstcampus

Autor: Reinhart Bünger
Beitrag: Oase der Langsamkeit im Großstadttrubel

Zeitung/ Zeitschrift: Tagesspiegel, 15. März 2014