graffito – Konzept für einen Friedhof der Zukunft

Friedhofsinseln liegen in der offenen Landschaft - inmitten der landwirtschaftlich genutzten Felder am Riedsee, einem Naherholungsgebiet im Ballungsraum Stuttgart.
Aus der Ferne sichtbar, ziehen diese Inseln unseren Blick an, machen neugierig und bilden Ziele auf dem Weg. Es sind Landmarks, die auf die Weite der Landschaft ausstrahlen und sich wie Schriftzeichen in die Ebene einprägen.
Jede Friedhofsinsel wird über einen Baumhain markiert. In dessen lichten Baumschatten liegt eine sanft geschwungene Wiesenfläche, die die sterblichen Überreste aufnimmt. Skulpturale Mauerbänder definieren einen eingehegten Raum, der Durchblicke freigibt und sich mit einladender Geste gezielt öffnet. Die Mauern tragen in den Stein geritzte Inschriften und Zeichnungen - Widmungen an die Verstorbenen.
graffito beschreibt einen neuartigen Typus von Landschaft, eine Landschaft, die ihre Qualität aus der direkten Begegnung von Leben und Tod bezieht.
"Ob archaische Höhlenmalerei, Schnitzwerk in des Baumes Rinde oder der vandalisierende Gebrauch von Sprühlack - die Neigung des Menschen, mit Bild und Schrift Botschaften zu hinterlassen ist zweifellos Teil seiner Natur. So könnte die Grabinschrift der Zukunft durchaus das Graffito sein. Während die sterblichen Hüllen in Hügeln zerfallen, bieten den Landschaftsraum gliedernde Mauern Platz für persönliche Ansprachen aller Art. Ein intelligenter Beitrag, der bei der Preisverleihung in die engere Auswahl gelangte." (Grün Forum.LA 11/02)

Ideenwettbewerb 2002
engere Wahl
Auftraggeber: Stadt Stuttgart